14
Dez
2006

Square of Solitude

Just another

„Stell dir vor“, sagt mir die Krähe, „du stehst in der Mitte eines grossen Platzes. Um dich herum hat es viele Menschen die kreuz und quer durch einander laufen. Manche stossen zusammen, müssen einander ausweichen, bleiben stehen um jemanden durchzulassen, fluchen über das Gedränge oder begrüssen einen Bekannten. Nur du stehst still in der Mitte und niemand rennt in dich hinein, alle weichen dir aus oder laufen erst gar nicht in deine Richtung.
Das geht so weiter. Tage? Wochen? Jahre? Zeit spielt keine Rolle hier auf diesem Platz. Nirgends ist eine Uhr und die Sonne bewegt sich nicht, man kriegt auch keinen Hunger und wird nicht müde, fast so, also ob hier gar keine Zeit existiert.
DU stehst immer noch da und um dich herum eilen die Menschen. Irgendwann wirst du misstrauisch, weil kein einziger Mensch dich zu bemerken scheint, aber auch keiner in dich hinein läuft, als wärst du ein Felsblock und kein Mensch. Du fragst dich, ob du vielleicht wirklich ein gefühls- und lebloser Fels bist. Um sicher zu gehen machst du einen Schritt nach vorne. Ein Fels könnte sich ja nicht bewegen. Aber noch immer eilen die Menschen um dich herum.
Du fragst dich immer stärker, wieso die Menschen um dich herum ineinander laufen, nie aber in dich, als ob du nicht zu ihrer Welt gehören würdest. Du beschliesst, die Sache selber in die Hand zu nehmen und versuchst in einen heranrauschenden Geschäftsmann zu laufen, doch er weicht geschickter aus, als du dich ihm in den Weg stellen kannst. Du versuchst ein hübsches Mädchen, das vorbeikommt am Arm zu packen und sagst ihr Hallo, doch sie schaut dich nur kurz mit einem nichts sagenden Blick an, entschlüpft deinem Griff und verschwindet auf Nimmerwiedersehen in der Menschenmenge. Du versuchst es weiter, stellst dich den Menschen in den Weg, versuchst sie zu packen, ablenken, rufst nach ihnen. Du stellst dich tot, machst Luftsprünge, schreist, weinst. Vergeblich.
Resigniert gehst du an deine Stelle in der Mitte zurück und legst dich des Lebens müde hin…“
Ich schaue der Krähe in die Augen. Sie krächzt ein letztes Mal, breitet die Flügel aus und entschwindet in den Himmel. Ich bleibe Alleine auf dem Platz voller Menschen zurück.

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